In der nächsten Zeit wird sich hier nichts tun. Der Neugeborene hat eine Hirnentzündung (Enzephalitis), die durch Herpes-Viren hervorgerufen wurde. Bemerkt haben wir, dass etwas nicht stimmt, als das Kind Krampfanfälle zeigte. Nun bleiben die Liebste und ich abwechselnd bei ihm im Krankenhaus. Die Liebste übernimmt die Tagschichten, ich bleibe nachts im Krankenhaus. Natürlich bin ich aufgrunddessen krankgeschrieben und nicht in der Firma. Dies alles hört sich recht wild und besorgniserregend an, ich muss aber anmerken, dass er in sehr guten Händen ist und er bereits deutlich auf dem Wege der Besserung ist.
Ich bin gerade kurz zu Hause, um Mails zu bearbeiten, Kleidung zu wechseln und mal aus dem Krankenhaus heraus zu kommen und mal etwas anderes zu sehen. Außerdem hole ich mir das Gudereit, vielleicht bietet sich mir die eine oder andere Gelegenheit für eine schnelle abendliche Runde "um den Block", um nicht völlig einzurosten.
Teilweise gehen mir die Ärzte und Schwestern ziemlich auf den Zeiger. Sie helfen dem Kleinen, ohne Frage, dennoch ist Rücksicht dort oftmals nur eine Worthülle. Beispielsweise wird der Kleine beim Einschlafen von einer Ärztin geweckt und ausgezogen, weil sich sich ihn mal eben anschauen möchte. Wie wir ihn danach wieder schnell in den Schlaf bekommen...unser Problem. Es war mit uns abgesprochen, dass eine Blutabnahme erfolgen sollte. Dieses war nicht die erste, bei der erste hat er ca. anderthalb Stunden nur geschrien, denn der Arzt ist nicht schneller an das Blut gekommen. Als ich gestern morgen wach wurde, war eine Schwester im Zimmer und gerade dabei, ihn aus dem Bettchen zu holen. Als ich sie fragte, wo sie mit ihm hinwolle, erzählte sie mir etwas von einer Untersuchung. Ich war gerade erst wach geworden und geistig dementsprechend träge. Etwas später fragte ich dann eine andere Schwester, was das denn für eine Untersuchung sei. Sie stammelte herum, erzählte etwas von Labor. Klar, die Blutentnahme! Nur, was wäre gewesen, wenn ich nicht selber wach geworden wäre? Wäre ich noch geweckt worden? Wie hätte ich deren Meinung nach reagieren sollen, wenn ich beim Aufwachen den Kleinen nicht in seinem Bett vorfinde sondern schreiend im Nebenzimmer?!
Es scheint auf der Station etwas zuviel verlangt zu sein, vorher genau darüber informiert zu werden, was, wann und warum mit dem Kind passiert. Mit der Einstellung machen wir uns auf dieser Station nicht gerade Freunde. Die Liebste ist aktuell auf 180, weil ihr eine Schwester, die mit viel wohlwollen gerade mal Mitte zwanzig ist, einer vierfachen Mutter erzählen will, wie sie einen Säugling ernähren hat, was die Abstände zwischen den Fläschchen angeht.