Mittwoch, 6. Oktober 2010

Stuttgart 21



Was interessiert mich ein Bahnhof, der fern der Heimat ist, wenn der eigene Bahnhof, den ich durch meine regelmäßigen Fahrten per Mitfahrgelegenheit häufig sehe, ein "Klo mit Gleisanschluss" (Zitat Götz Alsmann) ist?

In erster Linie fühle ich mich nicht persönlich betroffen, auch wenn ich einen Kollegen habe, der aus Stuttgart kommt, TAZ-Leser ist und sich -nach Möglichkeit- im Protest gegen Stuttgart 21 engagiert. Ich fühle mich auch nicht betroffen, obwohl ich in meinem Leben bisher einmal mit dem Zug in Stuttgart auf der Fahrt nach Friedrichshafen einen Zwischenhalt eingelegt habe.

Nein, ich fühle mich persönlich betroffen als Brüger eines Staates mit freiheitlich demokratischer Grundordnung - zumindest der Theorie nach. Das Volk als Souverän wählt demokratisch die jeweilige Landes- und Bundesregierung. Diese trägt dann das Mandat, zum Wohle des Volkes politische Entscheidungen zu fällen. Ich halte dieses nicht für einen Persilschein, um eigene Großmachtsansprüche durchzuziehen oder seiner Profilneurose ein eigenes Denkmal zu setzen.

Wenn wir mal ehrlich sind: Wenn nun 100.000 Menschen (Angabe der Veranstalter der Protestalktionen) oder nur 63.000 (Angabe der Polizei) gegen einen völlig unnötigen Umbau von ganz Kern-Stuttgart friedlich demonstrieren, dürfte selbst der behämmerste Berufspolitiker mitbekommen, dass das, was man da mit Gewalt versucht, durchzuziehen auf eine kaum messbare Gegenliebe stößt. Dieser Volksvertreter hat nun aber nicht die Größe, die Signale zu deuten und die Konsequenzen daraus zu ziehen. Er und seine Kumpanen verschieben ihren Fokus ins Feld der Demagogie, der medialen Verarsche.

Deshalb, und genau deshalb geht dieser blöde schwäbische Bahnhof jeden etwas an.