Dienstag, 3. Februar 2009

Dreieinhalb

Vor einigen Wochen, vor meinem ersten grippalen Infekt in dieser Saison, war die Liebste so nett, mir schweigend Gehör zu schenken, als ich halblaut über einen neuen Scheinwerfer nachdachte. Für seine Zeit war der Basta Pilot Steady Auto ja ganz ordentlich, nur ist er in völliger Dunkelheit auf dem platten Land ohne Fahrbahn- und Radwegrandmarkierung für schnelle Fahrten nur sehr bedingt geeignet. Der Lichtkegel reicht weit, ist aber zu den Seiten hin nicht ausreichend. Ich liebäugelte schon seit einiger Zeit mit dem Busch & Müller IQ Fly senso. Nun, wie die Liebste nunmal so ist, gab sie mir dann eine Tüte eines Fahrrad-Discounters, in der genau das erträume Leuchtgerät war. Wie ich nunmal so bin, verschwand ich recht schnell im Keller, um das gute Stück zu montieren.

Dies geschah just zu der Zeit, als das Schnee- und Eis-Intermezzo hier im Münsterland gerade wieder im Abklingen begriffen war, dementsprechend sah aber auch das Fahrrad aus. Schnee brachte Dreck mit sich, Salz hinterließ Kristalle am Rahmen und Rost an den Ritzeln, Bremsenabrieb saute die Felgen zu. Mit anderen Worten, das Rad brauchte Liebe und Streicheleinheiten, also Reinigung.

Ich gehöre zu dem seltsamen Menschen, die die Güter, die sie schätzen auch dementsprechend pflegen. Das gilt im Speziellen auch für das Gudereit, zumal ich auch quasi darauf angewiesen bin für die täglichen Wege. Die 30 Jahre alte Gazelle wäre eine Alternative, aber keine beliebte.

Zwei Eimer Wasser, etliche billige Lappen und Geselle Popper Fettlöser begleiteten mich in den Keller, wo ich anhub, den groben trockenen Dreck mit einem Handfeger zu entfernen, dann die Räder ausbaute um die Zugänglichkeit zu Rahmen und Naben zu verbessern und auch mal die Schutz-"Bleche" von unten reinigen zu können. Weitere Einzelheiten sind nicht notwenig, nur so viel: Auf dem Klimax des Reinlichkeitstriebes stand das Rad Kopf ohne Chainglider, Räder, Bremsen, Züge, Schutz-"Bleche" und ich brachte den Rahmen mit Politur zum alten Schein.

Die ganze Aktion dauerte dreieinhalb Stunden. Zwischendurch schaute immer mal einer der Großen vorbei, um sich im Auftrage der Mutter zu erkundigen, wie lange ich denn wohl noch brauche.

Das Ergebnis konnte und kann sich immernoch sehen lassen. Das Fahrrad sieht fast aus wie neu, selbst jede einzelne Speiche glänzt, die Ritzel habe ich mit Restbeständen von Bundeswehr Waffenöl rostfrei bekommen. Ich hatte erst darüber nachgedacht, das Fahrrad in die Wohnung zu tragen um mir ausgiebig huldigen zu lasse. Dann hätte die Familie mich aber für komplett geistesgestört erklärt. Für die grenzte es schon an Irrsinn, dreieinhalb Stunden lang nur ein Fahrrad teilweise mit Pinsel und alter Zahnbürste zu putzen.