Donnerstag, 28. Februar 2008

Gegenanzeige

Wie ich gerade telefonisch von der Liebsten erfuhr, hat der Autofahrer, den ich aufgrund dieses Sachverhalts anzeigte, tatsächlich Gegenanzeige gegen mich gestellt.

Wie die Liebste mir berichtete, bezichtigt er mich der Behinderung, weil ich angeblich in der Mitte der Fahrbahn gefahren sei, um ihn versätzlich zu behindern. Weiterhin wird mir vorgeworfen, dass ich ihn den ausgestreckten Mittelfinger gezeigt hätte.

Es verwundert mich, wie ein Mensch, der sein Auto als Mittel der Gewalt einsetzt, angesichts einer Anzeige gegen ihn auf einmal seine sensible Seite entdeckt.

Ich fuhr auf der Eisenbahnstr. Richtung Servatiiplatz mit einem Sicherheitsabstand von 0,8 bis 1m zur Buspur. Der Fahrer drängelte und hupte und fühlte sich im Nachheinein aktiv von mir behindert. Vermutlich wollte er mich nicht in seinem Verkehr haben, obwohl es auch in Deutschland kein verbrieftes Grundrecht auf freie Fahrt gibt. Ich winkte ihn noch rechts rüber auf die Busspur, um ihm die Gelegenheit zu geben, mir sein Anliegen vorzutragen. So wie er hupte und wild gestikulierte, musste er ja was auf der Seele haben. Dieses Angebot nahm er aber nicht in Anspruch, vielmehr zog er es vor, mir weiter zu bedrängen.

Was mich vor allem interessiert ist, wie er meinen vermeindlichen Mittelfingerzeig gesehen haben will. Ich trug an dem Morgen eine schwarze Fleece-Jacke und schwarze Fleece-Handschuhe, außerdem hatte es noch nicht einmal begonnen zu dämmern.

Ich habe gerade eine Stellungnahme zu seiner Anzeige vorgeschrieben, werde sie heute Abend in den Anhörungsbogen der Polizei übertragen und gleich persönlich zur Polizei bringen. Ich halte Euch auf dem Laufenden.

Freitag, 22. Februar 2008

Fahrrad-Hauptstadt Münster - Risiken und Nebenwirkungen!?

Im Rahmen der Diskussionsreihe "Münstersche Sicherheitgespräche" luden die Deutsche Hochschule der Polizei, das Polizeipräsidium Münster, die Stadt Münster, die Westfälische Wilhelms-Universität sowie das Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei des Landes Nordrhein-Westfalen zur vierten Runde mit dem Thema "Fahrrad-Hauptstadt Münster - Risiken und Nebenwirkungen!?"

Teilnehmer der Podiumsdiskussion waren Werner Ringkamp, 1. Vorsitzender des
ADFC Münster/Münsterland e.V., Dipl. Ing. Jörg Ortlepp, Verkehrsplaner des Planerbüros Südstadt aus Köln, Prof. Dr. Michael Raschke der Poliklinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie der Uniklink Münster sowie der Leiter der Direktion Verkehr der Polizei Münster LPO Udo Weiss.

Die Räumlichkeiten für diese Veranstaltung stellte die WWU zur Verfügung in Form des F2 des Fürstenberghauses im Herzen Münsters, daher gebührten die Eröffnungsworte der Rektorin der WWU Prof. Dr. Ursula Nelles. Diese nahm das Zitat von Adam Opel "Bei keiner anderen Erfindung ist das Nützliche mit dem Angenehmen so innig verbunden, wie beim Fahrrad." zum Anlass für eine kritische Betrachtung des Themenkomplexes Fahrrad mit besonderem Augenmerk auf die Verkehrssituation im Stadtgebiet Münster. Dabei wies sie auf die Wichtigkeit der Verkehrserziehung hin und erinnerte die Anwesenden daran, dass die Polizei Münster bei der Begrüßung der Erstsemester auf die Gefahren des Radfahrens in Münster hingewiesen hat und bei zukünftigen Veranstaltungen auch weiter daran hinweisen wird. Sie selbst habe dem Radfahren in Münsters Stadtgebiet abgeschworen, sie müsse auch zugeben, dass sie keinen Helm trage. Sie fahre ausschließlich als Freizeitbeschäftigung Rad auf sog.
Pättkestouren.

Ebenso fühlte sich Oberbürgermeister Dr. Berthold Tillmann dazu berufen, eröffnende Worte an das Publikum zu richten, indem er scherzhaft die jetzige Runde zu Problemen mit dem Radverkehr in Kontext zu früheren Veranstaltungen über Jugendkriminalität in Münster, Sicherheit in der Stadt und Angst vor Terrorismus brachte. Das Hauptproblem sehe er darin, eine Integration des nicht-motorisieren Verkehrs in eine großstädtische Verkehrsinfrastruktur zu schaffen. Dieses kann seiner Meinung nach nur mit zwei wichtigen Punkten, nämlich mit der Einsicht in die Regelhaftigkeit sowie der Einsicht in die Strukturen gelingen. Je komplexer die Verkehrsstrukturen seien, desto höher seien die Anforderungen an ein regelkonformes Verhalten. Seine Zielsetzung sei es daher aufgrund dieser hohen Komplexität, eine objektive Betrachtungsweise an den Tag zu legen und zügige, aber nicht überhastete, Verbesserungen anzustreben.

Bis hierher wurden zumindest offen keine kritischen Töne gegenüber den Radfahrern laut, sondern es wurden eher die Strukturen an sich in Frage gestellt.

Zu Beginn der Referatsrunde stellte Werner Ringkamp die Geschichte der Radverkehrspolitik, in Münster vor. Nachdem er den Kreisverband des ADFC Münster/Münsterland e.V. ausgiebig vorstellte, ging er auf das tatsächliche Thema ein.
Wo in den 1950er Jahren das Fahrrad noch als Verkehrshinderniss mit rüpelhaften Fahrern hingestellt wurde, sah man die Verkehrskapazitäten in den 1960er Jahren im Stadtgebiet Münsters bereits als nahezu erschöpft an. In den 1970er Jahren betrieb man eine verstärkte Förderung des
ÖPNV bis man 1974 endlich einsah, dass das Fahrrad als platzsparendes Verkehrsmittel nun doch zu fördern sei. Er stellte anhand eines statistischen Vergleiches mit den Städten Troisdorf und Leipzig fest, dass Münster mit knapp 37% Radverkehrsanteil überproportional hoch vertreten ist, dass die Unfallzahlen bei Radfahrern aber nicht linear mit der Zunahme des Radverkehrsanteils wüchsen. Seine Forderung lautet, das Fahrradfahren noch sicherer zu machen.

Das
Planerbüro Südstadt wurde von der Stadt Münster mit einer Analyse der aktuellen Situation im Konfliktbereich zwischen Rad- und Autoverkehr beauftragt. Dipl. Ing. Ortlepp stellte kurz die Annäherung an die Problematik vor, nannte Schwerpunkte der Unfallursachen auf Seiten des KFZ-Verkehrs und des Rad-Verkehrs in Münster. Ebenso stellte er einen Vergleich an mit anderen deutschen Städten mit deutlich geringerem Radverkehrsanteil.


Als Besonderheit für Münster verdeutlichte er den hohen Prozentsatz an Unfällen mit Radfahrerbeteiligung unter Alkoholeinfluss. Was im ersten Moment einleuchten mag, kann hier auch gleich wieder in Frage gestellt werden. Wenn weniger Menschen insgesamt mit dem Rad fahren, fahren auch weniger Radfahrer betrunken. Daher ist diese Statistik allein nicht aussagekräftig, ohne dass man die Zahlen der Unfälle mit Autobeteiligung unter Alkoholeinfluss hinzuzieht.

Prof. Dr. Raschke lieferte eine multimediale Horrorshow über Verletzungen von Radfahrern bei Verkehrsunfällen. Er zeigte Röntgenaufnahmen von gebrochenen Gliedmaßen sowie deren aufwändige Wiederherstellung und erfasste eine nicht-repräsentative Verteilung der Verletzungen nach Körperregionen bei 100 verunfallten Radfahrern der letzten sieben Monate.

Raschke stellte im Rahmen seiner Untersuchung fest, dass Verletzungen des Schädel- und Gesichtsbereiches mit einer Häufigkeit von 16,2% vertreten waren, eine ganz im Gegensatz zu Verletzungen der oberen Extremitäten (35,6%) nur knapp halb so große Zahl. Dies hielt ihn leider nicht davon ab, Werbung für das Tragen eines Fahrradhelms zu machen. Den trage er selber oft aber leider nicht immer, wenn er mit dem Fahrrad fährt. Warum er angesichts seiner eigenen Erkenntnisse nicht lieber mit einem Brustharnisch, Arm- und Rückenprotektoren auf dem Rad fährt, lies Raschke leider offen.

Udo Weiss in seiner Funktion des Leiters der Direktion Verkehr der Polizei Münster habe ich in einer
früheren Veranstaltung bereits kennengelernt. Auch in der jetzigen Veranstaltung startete er mit einem Liebesbekenntnis zu Münster in allerdings in Verbindung mit den Verkehrsunfallhäufigkeitszahlen in NRW. Herr Weiss nutzte sein Referat zur Stimmungsmache gegen das Radfahren mit Fallbeispielen und Fotos tödlich verunglückter Radfahrer und polemisierte Mithilfe von Stimmen aus Münster, die Radfahrer als rücksichtslos und rüpelhaft hinstellen. Herr Weiss war also nicht in der Lage, wie seine Vorredner mit Fakten zu überzeugen, sondern wählte für seinen Vortrag den ideologisch-emotionalen Duktus eines besorgten Behüters aller Verkehrsteilnehmer. Er fokussierte seine Ausführungen auf die Darstellung menschlichen Leids, dass aus Verkehrsunfällen entstehe. Weiterhin stellte er einen Verfall der Normenakzeptanz fest und beklagte mithilfe von tendenziösen Fotos eine unklare Normensituation im Straßenverkehr.
Anhand einer Aufnahme eines getrennten Rad- und Gehweges, der nachtäglich Mithilfe einer Markierung um eine Rechtsabbiegerspur für Radfahrer erweitert wurde, sodaß für "die Mutter mit einem Kinderwagen und einem vierjährigen Kind dazu noch an der Hand" (Zitat Weiss) nicht genug Platz bliebe, stellte er die Frage, ob die Autofahrer die Radfahrer verdrängen, damit die Radfahrer dann die Fußgänger verdrängen? Sein unausgesprochenes Fazit scheint damit zu sein, dass Radfahrer in jeder Situation bereit sein müssen, zurückzustecken und ihr Recht gemäß StVO zum Wohle anderer aufzugeben in der jeweiligen Situation.
Leider verlor Herr Weiss kein Wort darüber, dass der Radfahrer solche Situationen in der Regel nicht selbst herbeiführt, sondern solche Situationen meistens von den Kommunen bzw. den Straßenverkehrsbehörden herbeigeführt werden.

Im Rahmen der zweiten Gesprächrunde, den Verbesserungsvorschlägen stellte Werner Ringkamp fest, dass alle Verkehrsteilnehmer Menschen seien, die nun einmal Fehler machen, da der Mensch in seiner Art niemals perfekt sei. Von daher seien es oft die baulichen Gegebenheiten, von denen der Mensch im Verkehr abhängig sei. Außerdem gab er zu denken, dass ein Radfahrer Stunden später zum Autofahrer werden könne und damit nicht automatisch regeltreuer würde, als er als Radfahrer war.

Jörg Ortlepp bekannte sich froh über die Tatsache, dass er als Nicht-Münsteraner in der Position des nicht-emotionalen Analysten sei. Es sieht den Radverkehr in Münster als Massenverkehr an und postuliert damit die Notwendigkeit einer Gleichberechtigung. Er macht überwiegend Planungsdefizite für die aktuelle Unfallsituation verantwortlich, stellte aber auch fest, dass ein Radfahrer, der sich nicht so regelgetreu verhalte, wie ein Autofahrer, nicht auf dieselben Rechte pochen könne.

Prof. Dr. Raschke riet generell von einer Helmpflicht ab, unter Anderem deswegen, da der Helm keine Lebensversicherung sei. In einer Stadt der Mobilität wie Münster spricht er die Empfehlung des Helmtragens aus, eine Reglementierung sei allerdings nicht wünschenswert, da sie die flächendeckende Nutzung des Fahrrades einschränken würde. Aber wenigstens den Kindern solle man in puncto Helm doch ein gutes Vorbild sein.

Udo Weiss setzte seine pastoral-missionarische Stellungnahme fort, dass der Radfahrer doch endlich einsehe, dass er sich auf sehr gefährlichem Terrain bewege. Über die Quellen der Gefahren verlor er auch hier allerdings wieder kein Wort. Er wiederholte nur gebetsmühlenartig, dass seine Dienststelle eine Polarisierung der Problematik aktiv vermeide und das die Diskussion weiterhin unideologisch geführt werden müsse. Dabei war es an diesem Abend alleine er, der eine rein ideologische Sichtweise betrieb.

Die anschließende Diskussion erfüllte die Erwartungen, die ich aufgrund der vorangegangenen Vorträge schon hatte. Der Radverkehr müsse durch weitere Radverkehrsanlagen weiter gefördert werden, das Prinzip der Separierung werde hier weiterhin favorisiert. Daran konnten auch zwei Vertreter des ADFC mit ihren Wortmeldungen nichts ändern, in denen sie die Qualität der Hochbordradwege, deren Verbreitung sowie deren Maße kritisierten. Stadtdirektor Schultheiss sprach sich vielmehr für eine intensivere Normenkontrolle aus und regte Prof. Dr. Raschke an, ein Fahrrad-Trauma-Register für die Stadt Münster einzurichten, um den Unfallursachen und deren Auswirkungen weiter auf die Spur zu kommen. Wolfgang Hundt als Leiter der Radstation Münster sprach Udo Wiess direkt an, dass dieser mit der Kontrolle von Beleuchtungseinrichtungen an Fahrrädern bzw. der Ahndung von Handybenutzung auf dem Fahrrad eine "Bresche" in die Verkehrsunfallstatistik Münsters schlagen würde, da es sich insgesamt um nur 13 Unfälle mit dieser Ursache handele. Weiss wies diese Zahl jedoch als falsch zurück, weigerte sich ansonsten aber auch, mit Hundt zu diskutieren, da der Konflikt zwischen den beiden andere Wurzeln habe.
Ich meldete mich ebenfalls zu Wort, indem ich anmerkte, dass die beiden Jugendlichen in meinem Haushalt mit 11 und 14 Jahren konsequent bei dem Nicht-Vorhandensein auf dem Gehweg fahren würden, da ihnen von Kindheit an eingebläut wurde, dass es sich bei dem Fahrrad um sein sehr gefährliches Verkehrsmittel handele. Im Bundesdurchschnitt jedoch gehört das Fahrrad zu den sichereren Verkehrsmitteln. Weiterhin gab ich zu denken, dass Herr Weiss gerne mehr regelhaftes Verhalten fordern könne, jedoch seien u.A. er uns seine Behörde gemäß Verwaltungsvorschrift zu StVO verpflichtet, jederzeit Radverkehrsanlagen und ihre Beschilderung auf ihren Sicherheitsgewinn, ihren baulichen Zustand und auf ihre Notwenigkeit zu untersuchen. Gerade in diesem Punkt sehe ich aber seitens der StVB und der Polizei Münster klare Versäumnisse. Leider ging Weiss auf diesen Punkt nur indirekt ein, indem er wieder über das Leid der Opfer von Verkehrsunfällen dozierte, ohne auf die Ursachen zu sprechen zu kommen. Den Vogel allerdings schoß Werner Ringkamp ab, indem er völlig ohne Zusammenhang Beleuchtungseinrichtungen für Fahrräder forderte, die sich bei Eintreten der Dunkelheit automatisch einschalten sowie hydraulische Bremsen, die das Rad nicht blockieren. Ich selbst habe eine solche Beleuchtung seit ca. zwei Jahren am Rad. Wer verhindern möchte, dass sein Rad bei einer Notbremsung blockiert, sollte ersteinmal lernen, sein Rad zu beherrschen und zu bremsen.

Update: Zeugnis des verqueren Weltbild der Polizei Münster ist diese neue Aktion. Am 26.02. habe ich zum Thema auch noch dieses gefunden. Also lässt der ländliche Nachbarkreis auch gerne Inspiration zu sich durchsickern.

Samstag, 16. Februar 2008

Nachlese

Ich hatte mir aufgrund eines Artikels des Rad-Spannerei Blogs im Dezember 2007 kostenlos eine Veröffentlichung der Hansestadt Rostock zur Förderung des Radverkehrs bestellt. Der Titel "Fahr Rad! - Wege zur Fahrradstadt" von Thomas Möller wurde mitfinanziert durch die Europäische Union im Rahmen des Interreg-IIIB-Projekts "Baltic Sea Cycling", der Vertrieb wird gefordert durch das Bundesministerium für Verkehr und dem ADFC Landesverband Mecklenburg-Vorpommern.

Meine Erwartungshaltung gegenüber dieser Veröffentlichung, die vom Herausgeber als Inspirations- und Motivationsbuch bezeichnet wird, war zuerst dementsprechend euphorisch. Bei näherer Betrachtung allerdings stellte sich heraus, dass der Tenor des Buches für Radwege bzw. Radstreifen spricht und deren Neuanlage extensiv favorisiert. Allein in dem Kapitel "Fahrradrouten" (S.28) wird sehr kurz auf "Shared Space" eingegangen.


Das Buch ist also nichts für Leser, die sich bereits im Vorfeld intensiv mit dem Thema Radverkehrsanlagen, Verkehrsrecht und dem damit verbundenen Problemen im Alltag auseinandersetzen. Gut ist das Buch für Einsteiger als Lieferant für Denkanstöße besonders im Hinblick auf die Infrastruktur für den Fahrradverkehr sowie für Interessenten im Bezug zum Radtourismus.

Donnerstag, 14. Februar 2008

Pedalengedanken

Hier ein paar Gedankensplitter, die mir auf dem Weg in die Firma durch den Kopf schossen:

  • Physik muss schon was für Experten sein. Wenn es nicht so wäre, wäre es den Fußgängern, die heute morgen blind auf dem Radweg dicht vor mir meinen Weg kreuzten, klar, dass ich mit einem Systemgewicht von guten 100 kg bei einer Geschwindigkeit von 28 km/h im Kollisionsfall nicht signifikant ungefährlicher als ein Auto bin. An der Fahrbahn passen alle höllisch auf, der Radweg wird von solchen Fußgängern kaum als achtenswert angesehen. Wenn es zum Unfall kommt, ist natürlich der Radfahrer der Schuldige. Ich vermute, dass die ältere Dame, die mich im Vorbeifahren als "dumme Sau" bezeichnete, als ich sich mithilfe meiner Klingel auf mich aufmerksam machte, es ähnlich sah.

  • Wilde These: Je mehr Konflikte drohen bzw. je härter diese werden, desto mehr strebt das Individuum danach, aufzurüsten. Das ist für mich die Erklärung, warum die SUVs so beliebt sind. Ich meine diese übermotorisierten Limosinen, die auf hohe Federbeine gestellt werden, elektronisch auf "Gelände"-Modus geschaltet werden können und damit so tun, als seien sie tatsächlich geländegängig. Ich habe dazu mal die Bezeichnung "Waldrandauto" gelesen. Wirklich in den Matsch kann man mit den Teilen nicht. Ein richtiges Offroad-Fahrzeug hat sperrbare Differentiale, echte Geländeübersetzungen und sowas. Diese Porsche Cayenne, VW Touareg, BMW X5 und Mercedes GL bekommen wenig Auslauf dieser Art. Ich sehe solche Modelle immer nur blitzsauber im Stadtverkehr, wenn Mutti die Brut zur Schule oder sonstwohin bringt oder einkaufen fährt. Diese Fahrzeuge haben einen Verbrauch wie einen Panzer, brauchen Platz wie ein Lieferwagen, kurzum, reine Statusprothesen und Rüstungen. Mir fällt immer wieder auf, dass die Fahrer dieser Fahrzeuge sich so bewegen, als könne ihnen nichts und niemand etwas anhaben. Vielleicht haben diese Fahrer in der Vergangenheit die traumatische Erfahrung der eigenen Verletzlichkeit machen müssen und versuchen sich auf diese Art zu therapieren. Eigentlich hätte ich mein Mitleid demjenigen gegenüber bekunden müssen, der mich heute mit sehr sparsamen Abstand überholte und danach den halben Randstreifen umpflügte, weil die Straße für zwei Fahrzeuge dieser Art im Falle eines Entgegenkommens einfach zu schmal war. Dem gottgleichen Fortbewegungsdrang kann sich aber weder Flora noch Fauna schadlos in den Weg stellen.

  • Wieso fällt es einigen Leuten so unglaublich schwer, einfach mal den Zündschlüssel des Autos abzuziehen? Gestern stand ein gammeliger Fiat offen und mit Schlüsseln im Zündschloss auf dem Parkplatz eines Babyzubehör-Discounters. Ebenso habe ich gestern am Altglas-Container beobachtet, wie eines von zwei wichtig aussehenden Männchen mit Klemmbrett und Landkarten seinen Corsa mit laufendem Motor stehenlies, sich 200 m entfernte um dem anderen wichtig aussehenden Männchen etwas in der Landschaft zu zeigen. Ich habe mir erst überlegt, ob ich nicht den Motor abschalte, das Fahrzeug verschliesse und den Schlüssel mit Angabe des Kennzeichen bei der Polizei abgebe. Leider habe ich es nicht getan.

Montag, 11. Februar 2008

Sauber

Wie schon angekündigt, habe ich gestern nachmittag das Gudereit gereinigt. Die Monate des "Winters", also dem ständig wechselhaften Regenwetter, haben den Dreck in jede Ritze befördert, sodaß ich alle Zwischenräume mit dem Pinsel und WD40 entmisten musste. Ebenso habe ich jede einzelne Speiche poliert und die Schlammkruste in den Schutzblechen herausgekratzt.

Das Rad sieht nun fast wieder aus wie neu, jedenfalls nicht danach, dass es mittlerweile zwei Jahre als ist und knapp 12.000 km hinter sich hat. Ich habe mich gestern noch einmal an die Einstellung des Vorbaus gemacht und die Neigung auf 0% heruntergesetzt. Der Lenker ist nun nochmal um ca. 3 cm tiefer und der Abstand des Lenkers zum Sattel ist nochmal um ca. 3cm länger. Diese Veränderung bringt nochmal eine tiefere und sportlicher Sitzposition, die überraschenderweise nochmal angenehmer ist als vorher. Nach subjektiver Wahrnehmung bin ich mit geringerer Anstrengung so schnell wie immer, mein Durchschnitt auf dem Weg in die Firma war heute morgen um 1 km/h höher als sonst. Ich werde das mal im Auge behalten.

Update (14.02.2008): Durch die neue Einstellung des Lenkers wurde der Schaltungzug zu lang und reichte ein ganzes Stück über den Griffhebel der Magura HS 11 des Vorderrades hinaus. Einmal sieht das nicht gut aus, zweitens kann es gefährlich werden, wenn sich der Griff im Schaltzug verhakt. Ich habe das Rad heute morgen zu Drahtesel gegeben, um den Zug kürzen zu lassen, heute Mittag war es fertig. Zusätzlich haben sie die Endkappe zum Schaltgriff erneuert. Die Alte war angebrochen und mit Gewebeklebeband geflickt, was nicht besonders aussah. Kosten: Euro 4,70. Besser geht es nicht.

Samstag, 9. Februar 2008

Schönes Wochenende!

Nachdem ich gestern schon mit Sonnenschein, frischen 6 bar auf den Reifen, guter Musik im Ohr unterwegs in die Firma war, konnte ich das heute vergnügt trotz Samstagsdienst wiederholen. Gestern habe ich zwei nebeneinander widerrechtlich auf dem Radweg fahrende Mofa-Roller-Fahrer versägt. Heute habe ich die beste Durchschnittsgeschwindigkeit dieses Jahres auf dem Weg mit 24,31 km/h erkurbelt. Ob das nun mit dem frischen Reifendruck und / oder dem grandiosen Wetter zusammenhängt ist mir recht egal. Mir geht es super damit und das reicht mir.

Am Sonntag werde ich das Gudereit vom Dreck des Winters befreien und guter Hoffnung sein, dass sich das Wetter die nächste Woche über hält.

Schönes Wochenende!